Oft beginnen Schauspieler:innen mit einem SOLO, weil man endlich alle Parameter selbst in der Hand haben möchte. Das verspricht eine große Freiheit! Zurecht! Aber die Arbeit an sich selbst und mit sich selbst ist auch eine Reise ins Ungewisse mit den ganz praktischen Fragen: Wie strukturiere ich meinen eigenen künstlerischen Weg? Was muss ich im Auge behalten? Wie arbeite ich mit mir selbst? Welche Aufgaben sollte ich mir stellen, damit ich wirklich neue Wege beschreiten kann?
Vielleicht existiert schon ein vages Thema oder eine Sammlung von künstlerischem Material, aber wie soll ich damit arbeiten? Und da sind wir schon am wichtigsten Punkt: Wie formuliere ich mein Thema? Was ist eigentlich mein Thema in seiner vollen Dimension? Wie spannend, wenn aus einer vielleicht bodenständigen Idee nach und nach die philosophische Dimension erwacht, die einen auf ganz neue künstlerische Wege führt!
Im ersten Teil des SOLO Kurses geht es vor allem darum: wie eröffne und formuliere ich mein Thema? Plötzlich entfaltet sich ein ganzer Kosmos, der mich aber nicht verunsichern sollte, sondern bereichern wird. Es gibt viele extrem nützliche Übungen für diesen Arbeitsschritt, der dazu führt, dass ich meinem komplexen Thema eine Stimme gebe und wage als Schauspieler:in große Gedanken auch laut zu formulieren.
Wir werden dabei verschiedene Schritte zur Entfaltung eines kreativen Gedankenflusses erkunden. Unter dem Stichwort Intertextualität werden wir neue Sprach- und Denkmuster entdecken, die vor allem Spaß machen und Spielfreude wecken. Wir begeben uns bewußt ins Chaos! Suchten wir nicht nach „Freiheit“ mit der Entscheidung ein Solo zu machen? Nehmen wir sie uns und surfen sowohl durch unser Unterbewusstsein also auch durch die Kulturgeschichte – es gibt keine Grenzen – nicht für den freien Geist!
Und dann gibt es da noch die eigene künstlerische Vision. Was ist das? Wie finde ich sie und wie forme ich sie zu einem künstlerischen Bild / Image? Wie gehe ich damit um? Kann ich es tatsächlich betreten?
Während zwei Gruppensessions und zwei individuellen Konsultationen werde ich alles daran setzen, das kreative Chaos zu fördern, damit alle Facetten der Kreativität aktiviert werden. Aber wie ist dieser Sturm zu bändigen? Wie entsteht daraus ein dramaturgisch sinnvoller Abend? Wie organisiere ich das Chaos?
Die dritte Session des SOLO Kurses beschäftigt sich mit der Komposition als zentrales schöpferisches Element. Das beinhaltet vor allem eine veränderte schauspielerische Position, die befähigt, die eigene Freiheit zu lenken. Es geht um das Bewusstsein der eigenen künstlerischen Sprache und um Souveränität über die gestalterischen Mittel.
Theorie und Erkenntnisse wollen künstlerisch umgesetzt werden; deshalb werden bei allen Themen gemeinsame praktische Übungen helfen, mehr zu verstehen und den oft einsamen Prozess genussreich und produktiv zu gestalten.